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Symbolbild für zwei ungleich große Stapel aus Bewertungssternen
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Google-Bewertungen löschen lassen: Was Google seit April öffentlich anzeigt

KI-generiert · Diese Illustration wurde mit einem KI-Bildgenerator erstellt. Mehr dazu

Der neue Zähler in den Google-Unternehmensprofilen trifft ausgerechnet die Betriebe, die sich zu Recht gewehrt haben – und nicht die mit den gekauften Bewertungen. Das sollte man wissen, bevor man einen Anwalt einschaltet.

Jeder kennt so einen Laden. Mitten in der Innenstadt, immer voll, immer Touristen. Bei Google Maps steht er mit vier Komma sechs Sternen und ein paar tausend Bewertungen da. Und zwei Straßen weiter kocht jemand deutlich besser – mit hundertachtzig Bewertungen.

Das ist keine Verschwörung. Das ist zum Teil einfach Lage und Laufkundschaft. Aber ein Teil davon hat einen anderen Grund: Über Jahre konnten Betriebe negative Bewertungen löschen lassen, ohne dass irgendjemand davon etwas mitbekommen hat. Nach außen blieb nur der Durchschnitt übrig, der danach übrig war.

Seit Ende April 2026 ist das anders. Und die Änderung ist interessanter, als sie auf den ersten Blick aussieht.

Symbolbild für zwei ungleich große Stapel aus Bewertungssternen
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Was zeigt Google jetzt an?

Google macht seit Ende April 2026 in Deutschland sichtbar, wie viele Bewertungen bei einem Unternehmensprofil gelöscht wurden. Der Hinweis steht zwölf Monate lang im Profil – für jeden lesbar, der sich deinen Betrieb bei Google Maps ansieht.

Drei Details dazu, die man wissen sollte:

Es steht keine genaue Zahl da. Google nennt eine Spanne – zum Beispiel 2 bis 5, 21 bis 50 oder über 250 entfernte Bewertungen.

Gezählt wird nur ein bestimmter Typ von Löschung. Nämlich die, die auf einer Diffamierungsbeschwerde nach deutschem Recht beruht. Also der juristische Weg.

Der Zeitraum sind 365 Tage. Was länger her ist, taucht nicht auf.

Und jetzt der Teil, den fast alle übersehen.

Warum der Zähler die Falschen trifft

Was Google selbst entfernt, weil es gegen die eigenen Richtlinien verstößt – Spam, gekaufte Bewertungen, Hassrede, Fake-Profile –, fließt in diesen Zähler nicht ein.

Damit steht die Sache fast auf dem Kopf. Ein Laden, bei dem Google im großen Stil Fake-Bewertungen aussortiert hat, bekommt keinen Hinweis. Ein Handwerksbetrieb, der eine einzige erfundene Ein-Stern-Bewertung auf dem Rechtsweg hat entfernen lassen, bekommt einen – und der steht dann ein Jahr lang öffentlich in seinem Profil.

Deutschland ist von dieser Regel besonders betroffen. Nach Googles eigener Darstellung kommen aus Deutschland überproportional viele solcher Löschanträge, weil deutsche Gerichte hier vergleichsweise niedrige Hürden ansetzen. Laut EU-Daten stammen 99,97 Prozent aller europaweit wegen Diffamierung gelöschten Google-Maps-Bewertungen aus Deutschland.

Das heißt für dich ganz praktisch: Der juristische Weg ist nicht mehr unsichtbar. Er ist immer noch richtig, wenn eine Bewertung eine Lüge enthält – aber er hat jetzt einen Preis, den er vorher nicht hatte.

Symbolbild für eine Zählung, die nur einen Teil erfasst
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Was kannst du überhaupt löschen lassen?

Hier trennen sich zwei Dinge, die im Alltag ständig verwechselt werden.

Meinungen bleiben stehen. „Fand ich zu teuer", „hat mir nicht gefallen", „war nicht mein Fall" – das ist zulässige Meinungsäußerung, auch wenn es unfair ist und auch wenn du es anders siehst. Da hast du keine Handhabe, und das ist im Grundsatz auch richtig so.

Falsche Tatsachenbehauptungen nicht. „Der ist nicht erschienen", „die Rechnung war doppelt so hoch wie das Angebot", „das war Pfusch am Bau" – das sind Behauptungen, die entweder stimmen oder nicht. Wenn sie nicht stimmen und du das belegen kannst, sind sie angreifbar.

Und dann gibt es den dritten Fall: gar kein Kundenkontakt. Jemand bewertet dich, der nie bei dir war. Ein verwechselter Betrieb, ein verärgerter Wettbewerber, jemand, der eine ganz andere Firma meinte.

Genau dafür gibt es einen etablierten Weg. Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass eine Prüfpflicht des Plattformbetreibers ausgelöst wird, wenn ein Unternehmen den Kundenkontakt nachvollziehbar bestreitet (BGH, Urteil vom 09.08.2022, Az. VI ZR 1244/20). Google muss die Beanstandung dann an den Bewerter weiterleiten und eine Stellungnahme einholen. Kommt nichts Belastbares zurück, muss die Bewertung weg. Das OLG Köln hat außerdem entschieden, dass eine Ein-Stern-Bewertung durch einen Mitbewerber ohne echte Geschäftsbeziehung rechtswidrig ist (Urteil vom 23.12.2022, Az. 6 U 83/22).

Diese Rechtsprechung ist nicht neu – sie ist seit Jahren gefestigt. Neu ist nur, dass der erfolgreiche Weg über das Recht jetzt sichtbare Spuren im Profil hinterlässt.

Symbolbild für den Unterschied zwischen Meinung und Tatsachenbehauptung
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In welcher Reihenfolge gehst du vor?

Erstens: melden. Über das Unternehmensprofil lässt sich jede Bewertung als Richtlinienverstoß melden. Das kostet nichts, dauert ein paar Minuten und ist bei offensichtlichen Fällen – Werbung, Beleidigung, erkennbarer Spam, offensichtlich falscher Betrieb – oft schon ausreichend. Es fließt auch nicht in den öffentlichen Zähler ein, weil es eine Richtlinien-Entfernung ist und keine Diffamierungsbeschwerde.

Zweitens: bestreiten und belegen. Wenn kein Kundenkontakt bestand, sag das konkret. Nicht „die Bewertung ist unfair", sondern „unter diesem Namen gab es bei uns nie einen Auftrag, hier ist unsere Auftragsliste des Zeitraums". Je nachvollziehbarer, desto eher greift die Prüfpflicht.

Drittens, und erst dann: Anwalt. Bei einer klar falschen Tatsachenbehauptung, die dir schadet, ist das der richtige Weg. Aber es ist der letzte Schritt, nicht der erste – und seit April 2026 einer mit einem sichtbaren Nebeneffekt.

Warum eine gute Antwort oft mehr bringt

Das ist der Teil, den ich für den wichtigsten halte, obwohl er der unspektakulärste ist.

Eine schlechte Bewertung mit einer ruhigen, sachlichen Antwort darunter wirkt auf jemanden, der sich gerade entscheidet, oft besser als gar keine schlechte Bewertung. Sie zeigt, dass da jemand ist, der zuhört, der nicht ausrastet und der einen Fehler auch mal einräumt.

Ein Profil mit ausschließlich Fünf-Sterne-Bewertungen wirkt heute eher verdächtig als gut. Die Leute sind misstrauischer geworden – nicht zuletzt wegen der Läden aus dem ersten Absatz.

Dazu kommt ein Punkt, der noch wenig bedacht wird: Bewertungstexte sind inzwischen Futter für KI-Assistenten. Wenn jemand ChatGPT nach einem Betrieb in seiner Nähe fragt, fließt das mit ein, was in den Bewertungen steht – und auch, wie darauf geantwortet wurde. Mehr dazu unter Wird dein Betrieb von ChatGPT und Perplexity überhaupt gefunden?

Und ganz praktisch: Antworten kostet dich fünf Minuten, ein Anwalt kostet mehr, und die Antwort steht sofort da.

Ein Satz zu gekauften Bewertungen

Lass es. Google erkennt Muster und entwertet oder löscht ganze Bündel auf einmal, oft Monate später. Dazu sind Abmahnungen wegen gekaufter Bewertungen in den letzten Jahren deutlich häufiger geworden. Man kauft sich damit kein Vertrauen, sondern ein Risiko mit Zeitzünder.

Die langweilige Alternative funktioniert weiterhin: nach abgeschlossenen Aufträgen freundlich fragen. Ein, zwei echte Bewertungen im Monat reichen völlig. Wie sich das ohne Tool-Abo systematisieren lässt, habe ich hier aufgeschrieben: Mehr Google-Bewertungen als Handwerker.

Kurz zusammengefasst

  • Seit Ende April 2026 zeigt Google in Deutschland an, wie viele Bewertungen ein Profil hat löschen lassen – als Spanne, für zwölf Monate
  • Gezählt werden nur Löschungen über den juristischen Weg, nicht die, die Google selbst wegen Richtlinienverstößen vornimmt
  • Damit trifft der Hinweis eher den, der sich zu Recht gewehrt hat, als den mit den gekauften Bewertungen
  • Meinungen bleiben stehen, falsche Tatsachenbehauptungen und Bewertungen ohne Kundenkontakt nicht
  • Reihenfolge: erst melden, dann konkret bestreiten, erst danach juristisch
  • Eine ruhige öffentliche Antwort wirkt oft stärker als eine Löschung

Kein Angebot am Ende dieses Artikels. Das Thema hat nichts mit Websites zu tun, ich verdiene daran nichts, und ich finde trotzdem, dass es mehr Leute wissen sollten – besonders den Teil mit dem Zähler, der die Falschen trifft.

Falls du gerade so einen Fall hast: Fang mit dem Melden an. Das kostet nichts.


Stand: August 2026. Ich bin kein Anwalt, und das hier ist keine Rechtsberatung. Bei einer konkreten Bewertung, die dir schadet, lass dich bitte von jemandem beraten, der das darf.

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